Was der MUC mit Anforderungsmanagement zu tun hat – oder „Smart Metering“ bedeutet Stakeholdermanagement

Eine weitere Erkenntnis aus meinen bisherigen Smart Meter-Projekten bei Energieversorgern zeigte neulich mal wieder seine Ambition zum „roten Faden“: die Erwartungshaltungen an diese Technologie.  Dazu zuerst an den Anfang dieses Fadens: mein erster konkreter Berührungspunkt mit Smart Metern liegt bereits einige Jahre zurück, linksseitig eines großen Flusses dieser Republik. Hier ging es in einer sehr umfangreichen Workshop Reihe in zahlreichen und temperamentvollen Diskussionen um die Konzeptionierung eines ersten Piloten zum Ausrollen von Smart Metern.

In diesen Diskussionen – und auf Basis des zuvor festgestellten Business Cases – kam man schnell zu zwei Schlüsselerkenntnissen:

  1. Ausrollen von Smart Metern geht nur „halbwegs kostendeckend“, wenn man nicht nur eine Sparte (damals primär Strom) sondern auch Gas, ggf. auch Wasser und Wärme betrachtet
  2. Bei der Strukturierung von Daten und Prozessen kommt man immer wieder auf die Perspektive des Endkunden zurück – also ein Hausanschluss, an dem dann mehrere Sparten (E,G,Wa,Wä) hängen

Als Ergebnis dieser Diskussionen wurde eine Idee entwickelt, die es heute als fertige Lösung zur Integration gibt: der „MUC“ (Multi Utility Communication/Metering Unified Container). Aus Sicht des Endkunden gibt es eine Möglichkeit, alle seine „Hausanschlüsse“ an einem Punkt in eine Smart Metering Architektur einzuklinken. Mittlerweile hat sich der MUC über die zweite Version des FNN Lastenhefts weiterentwickelt – die oben genannte Anforderung (1 MUC mit vielen, einzeln konfigurierbaren Zählern) ist dort aber noch immer nicht konkret, also nur sehr vage beschrieben. Ob das in die Weiterentwicklung bzw. beim Gateway einfließen wird, bleibt abzuwarten ….

Warum dieser Exkurs? Weil ich vor Kurzem in einem Gespräch bei einem Messstellenbetreiber genau diese Grundidee des MUC wiedertraf – allerdings in leicht veränderter Form. Nachdem in einem komplexen Projekt über Jahre hinweg eine leistungsstarke Infrastruktur zur Integration von Smart Metern in die bestehende Applikationslandschaft geschaffen wurde, gilt es nun die Kosten hierfür zu amortisieren. Eine Rolle hierbei spielt die Entwicklung (neuer) Produkte des Messstellenbetreibers wie auch des Energievertriebs, die auf diese neuen Smart Meter Lösung aufsetzen.

Ein wichtiges Erfolgskriterium für diese Vertriebsprodukte ist es, die technische Eigenschaften der Smart Metering Infrastruktur zu kennen. So zeigte sich in diesem Beispiel, dass der Vertrieb des Messstellenbetreibers davon ausging, dass die verwendete MUC-Technologie dazu in der Lage ist, in der Wohnungsbauwirtschaft quasi als Datenkonzentrator eingesetzt zu werden: in einem Mietshaus werden die darin enthaltenen z.B. 250 Zähler an diesen einen MUC angeschlossen. Technisch ist das zwar möglich, geht aber mit Einschränkungen bei der Parametrierung der Geräte einher. Hieraus können sich wiederum durchaus Einschränkungen bei der Ausprägung der Vertriebsprodukte ergeben.

Fazit: Holen Sie beim Thema Smart Metering alle Betroffenen ins Boot.  Investieren Sie durchaus Zeit und Aufwand um zu identifizieren, wer informiert bzw. abgeholt werden muss und binden Sie diese Beteiligten intensiv in das Thema ein, um spätere Mehrkosten zu vermeiden. An diesem konkreten Beispiel bedeutet dies, Vertrieb und Techniker des MSB an einen Tisch zu bringen und vor der Entwicklung neuer Vertriebsprodukte die konkreten Rahmenbedingungen und das technisch Machbare auszuloten – um so später böse Überraschungen bei der Umsetzung neuer Produkte durch den MSB zu vermeiden.