Was bedeutet eigentlich „Agilität“?

Ein Schlagwort, ein Modewort, momentan ein allgegenwärtiges Thema. Aber eigentlich ein alter Hut: von lat. agilis: flink; beweglich. Seitdem ich IT-Projekte im Bereich Anwendungsentwicklung mache – und das sind mittlerweile ein paar Jahre – kenne ich das aber doch gar nicht anders: bewegliche Anforderungen, die sich im Verlauf des Projekts ständig verändern, detaillieren, erweitern, verschwinden …. Termindruck und Dynamik, welche permanent eine flinke Reaktion verlangen. Nicht zuletzt auch flinke Hände, die dem fixed price mit zügiger Arbeit versuchen gerecht zu werden.

Aber gerade bei Festpreisprojekten – und die sind noch immer oder gerade Usus – lässt insbesondere das Schlagwort „beweglich“ nichts Gutes erahnen. Da bin ich mir aber nicht sicher: gerade bei Applikationsentwicklungen ist es oftmals so, dass Anforderungen in der Startphase eben nicht derart detailliert sind, dass sie sich eigentlich für einen Festpreis eignen. Der findige Auftraggeber wird diesen aber natürlich anstreben …. während der Auftragnehmer im Verlauf eines Festpreisprojekts einen möglichst frühen Freece Point anstrebt, um Anforderungen so früh wie möglich und so detailliert wie möglich „in Stein zu meißeln“.

Doch die Erfahrung zeigt, dass sich ein früher Freece Point nicht realisieren lässt – zumindest nicht, wenn man als Auftraggeber ein Interesse an einer hohen Kundenzufriedenheit hat. Damit ist das vermeintlich neue Modewort prinzipiell bei jedem Projekt mit dabei wenn es um IT-Applikationsentwicklung geht. Der Fokus sollte aber nicht auf flink und beweglich liegen – ich würde „Agilität“ etwas freier übersetzen: anforderungsorientiert.

Allerdings frage ich mich, was wir vor der „Erfindung“ der Agilität getan haben – waren die Projekt bis dahin nicht anforderungorientiert? Nun, ich glaube viele Projekte und vermeintlich agile Ansätze sind es noch heute nicht. Selbst in vielen (allen?) „Lehrbüchern“ fehlt die konsequente Ausrichtung der Steuerungsmechanismen auf Anforderungen… hier ist noch viel Agilität im Sinne von „Beweglichkeit“ notwendig. Von daher ist es richtig und zielführend, sich mit flexibleren Vorgehensweisen auseinanderzusetzen als wie sie sich in Theorie und leider oft auch in der Praxis vorfinden.