Projektmanagement ist Plan-B-Management

Wenn ich auf den Plan des Projekts schaue, welches ich gerade als Projektleiter abschließe stelle ich fest, dass sich dieser vom ersten Tag seiner Existenz bis zum Abschluss kontinuierlich verändert hat. Und das nicht, weil es permanent Verzug gab der nachgeplant werden musste, oder zusätzliche Anforderungen die eingebracht wurden. Nein, inhaltlich wie auch von der Zeitplanung (des Endtermins) hat sich eigentlich so gut wie nichts verändert. Aber die Struktur der Umsetzung, die Zuordnung der Ressourcen der Schnitt der Meilensteine, deren Menge und Detaillierungsgrad haben eine deutliche Evolution erfahren.

Macht sich „gutes Projektmanagement“ eigentlich daran fest, möglichst früh einen möglichst detaillierten Plan zu haben und diesen möglichst stringent „abzufahren“? Das würde bedeuten, dass man initial einen Plan aufstellt und diesen nie mehr anfasst …. was ich schon häufig bei Projektmanagern gesehen habe – allerdings nicht weil der Plan so gut war sondern weil er nicht gelebt wurde. Aber gerade zu Letzteren verleitet mich ein hektischer projektalltag zuweilen auch, allerdings zwinge ich mich regelmäßig immer wieder selbst auf meine eigene Stringenz zurück, indem ich dann doch regelmäßig die aktuelle Situation mit meinem Plan vergleiche (und dann entweder das eine oder das andere anpasse …).

Vielmehr habe ich gerade in diesem meinem letzten Projekt gesehen, dass es ggf. einen guten, bestimmt aber einen erfolgreichen (denn die gesteckten Ziele haben wir alle erreicht!) Projektmanager ausmachen kann, eben zu jedem Zeitpunkt einen „Plan-B“ zu haben. Denn das macht einen Plan aus – dass es eben doch anders kommt! In solchen Fällen bedarf es oftmals innerhalb kürzester Zeit weitreichender Entscheidungen um das Projekt und dessen Erfolg nicht zu gefährden. Trifft einen diese Situation unvorbereitet, kann es eng werden ….

Das ständige Bilden unterschiedlicher Varianten – und dies schon vorab – die Auseinandersetzung mit dem vermeintlichen „Worst Case“ und den dann verbleibenden Handlungsoptionen, die Voraussicht – das alles erinnert an ein dynamisches Schachspiel, sichert aber das Überleben wenn es dann doch „knallt“. Und im Projekt „knallt“ es immer, wie die vielen neuen Versionen meines gerade archivierten Projektplans zeigen ….