Integration von Smart Metering Technologien – Projektmanagement als Erfolgsfaktor

Als vor einem runden halben Jahrzehnt die ersten Energieversorger begannen, sich mit dem Thema „Smart Metering“ zu beschäftigen, wurde eines schnell klar: dieses Thema betrifft nicht nur das Messwesen! Der damalige Lieblingsspruch in den vielen Gesprächen mit zu schnellen Tests und Piloten Entschlossenen war „Smart Metering ist die Verlängerung der IT des Energieversorgers bis in den Keller des Kunden“ – das führte bei Manchem zuerst zu einem fragenden Gesichtsausdruck, nach kurzer Darstellung oftmals aber auch schnell zu der Erkenntnis, dass ein Pilot für das Ausrollen von Smart Metern mal nicht eben aus der Hosentasche des Zählermonteurs passieren kann ….

Seitdem ist die Branche schlauer geworden, es ist viel Wasser den Rhein hinunter geflossen – es gibt heute MUCs, MDLs, MSBs, WiMs und viele andere tolle Sachen. Aus „der Verlängerung der IT“ ist mittlerweile jedem klar, dass Smart Metering ein klassisches Querschnittsthema ist – was leider nur zu deutlich die Kosten einer Implementierung dieser Errungenschaft treibt. Garniert wird dies mit einer steten Unsicherheit, erzeugt durch den Gesetzgeber der seit Jahren immer weiter an möglichen Vorgaben strikt, und mit diesem sich ständig metamorphierenden Damoklesschwert die Entscheidungen für Smart Metering immer weiter verzögert und Kosten in die Höhe treibt.

Dennoch gibt es innovationsgetriebene Energieversorger, die sich in einem solchen Umfeld auf Projekte dieser Art einlassen. Auf diese Weise konnte ich in den letzten Jahren meine früh begonnen Diskussionen über die Konzeptionierung von Piloten, das Ausrollen einiger hundert Smart Meter bis hin zur Integration einer Smart Meter Lösung in eigens dafür geschaffene SAP IS-U MSB-Mandanten fortsetzen. Aus Sicht der Steuerung dieser Projekte zieht sich ein roter Faden durch alle diese Projekte: Smart Metering ist vor allem Eines – Veränderung …

Veränderung im Messwesen – Smart Metering bedeutet nicht nur neue Geräte und andere Aspekte bei den Eichvorschriften, sondern vielmehr auch ein veränderter Umgang bei Montage und Entstörung, den Umgang mit elektronischen IDs und nicht zuletzt ein wesentlich IT-intensiveres Arbeiten als zuvor.

Veränderung vieler Prozesse – Auch wenn es vermeintlich „nur“ das Messwesen in einem Unternehmen betrifft, so sind doch alle Prozesse in denen es um die Ablesesteuerung und Marktkommunikation bis hin zum Kundenservice von einer Integration von Smart Metering betroffen – und das unabhängig davon, ob es sich um einen Piloten mit einigen hundert oder tausend Zählern oder einem vollständigen Rollout handelt. Leider wird dieser Aspekt auch nach  nun bereits jahrelangen Erfahrungen noch immer zu wenig berücksichtigt.

Veränderung der Organisation – die Ausgründung eines Messstellenbetreibers aus Netz- oder Abrechnungsgesellschaft ist das sicherlich häufigste Beispiel. Doch auch unabhängig davon können sich durch das Ausrollen smarter Zähler in Kombination mit den Prozessveränderungen weitreichende organisatorische Veränderungen ergeben. Und das Smart Meter Geschäft ist oftmals – vor allem wenn es um bundesweiten Einsatz geht – ein Geschäft was von der Integration zahlreicher unterschiedlicher Dienstleister geprägt ist. Hier können sich teilweise massive, neue Anforderungen an eine bestehende Organisationsstruktur ergeben.

Veränderung der Applikationslandschaft – die Steuerung von Smart Metern bringt neue Applikationen mit sich- Doch zur Weiterverarbeitung von Ablesewerten, Verbräuchen und Lastprofilen müssen diese in die bestehende Applikationslandschaft integriert werden. Hiervon ist sicherlich in erster Linie das Abrechnungssystem betroffen. Zu berücksichtigen ist aber auch, dass dieser Weg jedoch auch in die andere Richtung zeigt: Tarifänderungen müssen vom Abrechnungssystem runter bis auf den Smart Meter. Durch die WiM ist es dann auch notwendig, die Smart Meter Infrastruktur mit der Marktkommunikation zu integrieren – und nicht selten macht es auch Sinn, eine Brücke zum Vertriebssystem zu schaffen, um hier z.B. Kundenanfragen gezielt bedienen zu können. Je nach Marktrolle des Energieversorgers kann ein wesentlicher Fokus auch auf der Anbindung der Netzleitwarte liegen – um die smarten Zähler im Sinne seines Smart Grids nutzbar zu machen.

Betrachtet man diese Aspekte wird schnell klar, dass es sich bei der Einführung von Smart Metern – und das auch bereits bei einer kleinen Stückzahl – um die Orchestrierung zahlreicher Themen handelt. Daher stellt die übergreifende Steuerung solcher Aktivitäten einen wesentlichen Erfolgsfaktor für eine funktionierende Integration der smarten Technologie dar. Um alle Aspekte und die damit verbundenen Risiken (und Kostentreiber) gezielt im Griff zu haben, empfiehlt sich eine übergreifende Steuerung einzurichten, welche gemäß der strategischen Vorgaben alle Aktivitäten um die Integration der smarten Zähler lenkt. Hierbei ist es sinnvoll, wenn es in dieser Projektleitung ein möglichst breites Spektrum an Prozess- und Methodenkompetenz in Sachen Energieversorgung, IT und Projektmanagement gibt.

Ein Fokus sollte hierbei vor allem auf der Dienstleistersteuerung liegen. In meinen bisherigen Projekten im Kontext Smart Metering waren immer zahlreiche Dienstleister beteiligt, welche mit unterschiedlichen fachlichen Ausprägungen teilweise branchenfremd in den Projekten unterwegs sind. Diese müssen einerseits gezielt und effizient gesteuert werden, dazu gehört vor allem aber auch die ausreichende und termingerechte Formulierung konkreter Anforderungen und Bereitstellung von Anforderungen. Eine gezielte Steuerung dieser Schnittstelle zwischen – wie es neudeutsch so schön heißt – Demand und Supply – bedeutet vor allem aber auch eine Steuerung „nach innen“ – also die Steuerung der Projektaktivitäten beim Auftraggeber (dem Energieversorgungsunternehmen).

Insbesondere im Bereich der organisatorischen und prozessualen Veränderungen ist es entscheidend, zum Zeitpunkt des Ausrollens der neuen Technologie die Bereiche der Veränderungen zu kennen und hier innerhalb der eigenen Organisation durch gezielte Vorbereitung die entsprechende „Prozess-Readyness“ geschaffen zu haben. Leider kommt auch dieser Aspekt gerne zu kurz und führt im Nachgang dann zu massiven Problemen im Tagesgeschäft der Versorger.

Ergo: betrachten Sie Smart Metering ganzheitlich, nicht nur als Technologiethema. Auch wenn es trivial klingen mag, prozessuale und organisatorischen Veränderungen kommen  schnell zu kurz – was sich nachhaltig auf die Kostenstrukturen einer solchen Einführung auswirken wird. Reduzieren Sie Kosten und Risiken, indem Sie in eine übergreifende und kompetente Projektsteuerung investieren!