Einführung von Multiprojektmanagement – das geht nicht ganz von alleine …

In den vergangenen Jahren war es in vielen vor allem größeren mittelständischen Unternehmen und Konzernen ein aktuelles Thema, ein zentrales Projektmanagement einzuführen. Neben der Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses und den fachlichen Kompetenzen ging es hierbei vor allem auch um eine einheitliche Methodik.

Gut zu sehen, das sich bei vielen Unternehmen mittlerweile ein recht hoher methodischer Reifegrad etablieren konnte. Nun geht bei vielen Unternehmen die Diskussion, einen weiteren Schritt gehen zu wollen: die Einführung von Multiprojektmanagement.

Letzte Woche war ich zu einem sehr interessanten Workshop bei einem global operierendem, großem deutschen Unternehmen. Thema war die Einführung von Multiprojektmanagement. Initiiert vom PMO des Unternehmens, saßen die IT-Bereichsleiter mit dem CIO zusammen. Eine internationale Runde ….. Ziel war es, Anforderungen an ein Multiprojektmanagement einzusammeln.

Der Workshop startete mit einem Blick auf die Best Practices vergleichbarer Unternehmen. Schnell ging es anschließend in die Diskussion – doch diese zeigte zügig eine interessante Entwicklung: sehr offen wurde diskutiert, ob man denn Multiprojektmanagement brauche. Der Tonus war eindeutig, die Bereichsleiter sehen keine Notwendigkeit einer übergreifenden Übersicht über alle bzw. ausgewählte strategische Projekte. Am Ende machte man dem CIO deutlich, dass man ein Multiprojektmanagement weder brauche noch wolle – die bisherigen Projekte sprächen für sich, Ressourcenprobleme gebe es keine.

Was als „wir tun Euch etwas Gutes“ des PMO gemeint war, wurde von den Bereichsleitern nicht angenommen. Verständlich – denn Multiprojektmanagement schafft vor allem eines: Transparenz und Vergleichbarkeit über bzw. der Projekte der einzelnen Unternehmensbereiche. Klar auch, dass es daher durchaus auf der Hand liegt, dass in vielen Unternehmen viele Bereiche von dieser Idee nicht unbedingt begeistert sein werden – da helfen auch Argumente welche mögliche Vorteile für alle Beteiligten aufzeigen zumeist wenig.

Das Fazit aus diesem Termin: ein weiteres Mal zeigt sich, dass nicht alle Dinge im Konsens entlang der Hierarchie beschlossen werden können. Insbesondere Multiprojektmanagement schafft eine Sicht, die primär dem Senior Management dient – und nur bei richtiger Anwendung auch der zweiten Führungsebene bis zum Projektleiter Vorteile bietet …. in vielen Situationen empfiehlt es sich hierbei, aus genau dieser Sicht des Senior Managements klare Erwartungshaltungen zu setzen. Ist hier kein klares Commitment (bzw. deutlicher formuliert „keine klare Ansage“) vorhanden, wird die Einführung eines Multiprojektmanagements mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erfolgreich verlaufen.