Anforderungen beschreiben mit User Stories

Wie beschreibe ich eigentlich Anforderungen? Ich habe schon viele Dokumente diesbezüglich verfasst, noch viel mehr Dokumente dieser Art gelesen – aber noch immer stelle ich mir diese Frage. Auch in der Literatur bin ich bisher noch keiner guten Empfehlung habhaft geworden. Und das Vorbereitungsseminar auf meine Requirements Engineering Advanced Level Zertifizierung habe ich mit dieser Frage bereits gesprengt: warum redet jeder über die Vorgehensweisen zur Ermittlung und Verifikation von Anforderungen bzw. über deren Umsetzung, aber niemand kann eine akzeptable Antwort auf die Frage „wie beschreibe ich Anforderungen am besten?“ geben ?!

Bei meinen Ausflügen ind die agile Welt habe ich User Stories kennen gelernt. Und diese haben mich begeistert! Hierbei sind wir so vorgegangen, dass wir erst einmal Anforderungen in Stichworten gesammelt, kategorisiert und priorisiert haben. Anschließend haben wir diese Schritt für Schritt abgearbeitet. Dabei habe wir jede Anforderung im Kontext einer Geschichte beschrieben – und zwar aus der Perspektive des Anforderers. In diesen Geschichten wurde konkrete Fallbeispiele beschrieben, wenn nötig wurden die Attribute der auftauchenden und relevanten Elemente so detailliert wie möglich benannt.

Für die Anforderer war diese Vorgehensweise einfach, da sie sich mit etwas Phantasie ein sehr plastisches Bild vom benötigten Produkt machen konnten, da dieses im Zusammenhang der Geschichten detailliert in Aussehen und Verhalten beschrieben wurde. Ich war sehr gespannt, wie die (Software-) Entwickler darauf reagieren würden – zuerst einmal sehr faul: die Geschichten wurden nicht gelesen aber es kamen zahlreiche Fragen zurück. Die Antworten waren aber bereits in den User Stories enthalten – und so lernten die Entwickler diese Geschichten schnell zu schätzen, da sie sehr plastisch die funktionale Anforderungen beschrieben. Ähnliches erlebte ich dann mit den Testern, da dies User Stories fast den gesamten Inhalt funktionaler Testfälle beschrieben.

Lasse ich nun die zahlreichen Lasten- und Pflichtenhefte, funktionale Spezifikationen und Testfälle an mir vorüberziehen, die ich bisher so in den Händen und teilweise auch realisieren durfte stelle ich fest, dass User Stories für mich persönlich die beste Möglichkeit zu sein scheinen, Anforderungen so zu formulieren, dass sie durchgängig von allen Beteiligten verstanden und ohne Transformation in deren Kontext übertragen werden können.

Auf diese Weise bietet sich – insbesondere für Projekte der Software-Applikationsentwicklung die perfekte Möglichkeit, die einzelnen Aspekte in einem solchen Projekt über derartige, einheitliche und stringente Beschreibungen zu integrieren: vom Anforderungsmanagement (Grundlage zur Definition des Leistungsumfangs!) über die Entwicklung (verständliche Vermittlung fachbezogener, funktionaler Abläufe) bis hin zum Test- und Abnahmemanagement (Beschreibung des Sollzustandes/Definition des Leistungsumfangs).

User Stories haben damit durchaus das Zeug, eine optimale Form der (funktionalen)  Anforderungsbeschreibung zu werden!