Agiles Vorgehen in Festpreis-Projekten

Ist es möglich, agil vorzugehen und sich dabei in einem festen monetären Rahmen zu bewegen? Eine gute Frage, wenn man bedenkt dass Agilität im Wesentlichen damit verbunden ist (zumindest die unter diesem Schlagwort postulierten Vorgehensweise zur Softwareentwicklung), dass man ein Projekt auf Basis grob umrissener Anforderungen beginnt und diese erst „scheibchenweise“ soweit detailliert, dass sie ohne weiteren Interpretationsspielraum und eindeutig realisiert, getestet und abgenommen werden können.

Denn hier ergibt sich natürlich sogleich die klassische Frage „wie gieße ich etwas in einen Festpreis (respektive schätz die zur Umsetzung notwendigen Aufwände), wenn ich mich zum Zeitpunkt der Preisfindung auf einem Detaillierungsgrad (bzgl. der Ausformulierung der Anforderungen) befinde, der keine belastbare Aussage hierzu zulässt? (wobei ich die Frage, wann genau der Zeitpunkt gekommen ist um eine belastbare Aussage zur voraussichtlichen Realisierungsaufwand treffen zu können – vielleicht gar erst am Ende des jeweiligen Projekts?! Siehe auch).

Meines Erachtens ist die Antwort auf diese Frage relativ einfach: gar nicht! Es geht nicht (zumindest nicht, wenn man professionell und nachhaltig vorgehen möchte). Verlangen es die Rahmenbedingungen bzw. der Auftraggeber, dass vorab ein fixer Kostenrahmen definiert wird, so hat dies meines Erachtens zugleich Einschränkungen zur Folge: solange der Auftraggeber (warum auch immer) seine Anforderungen nicht vorab im kleinsten Detail beschreibt und als Grundlage für einen fixen Kostenrahmen zusammen mit entsprechenden Abnahmekriterien als Grundlage zur Verfügung stellt, muss eine valide Abschätzung zur Realisierung immer mit entsprechend (geringeren oder eben höheren – ja nach vorhandener Detaillierungstiefe und Vollständigkeit der beschriebenen Anforderungen) Risikozuschlägen versehen werden. Das hat meistens zur Folge, dass entsprechende Angebote entweder unwirtschaftlich oder unseriös werden ….

Von daher wird sich meines Erachtens nur dann eine Situation einstellen können, aus der beide Beteiligten – Auftraggeber (Anforderer) und Auftragnehmer (Realisierer) – am Ende des Projekts eine hohe Zufriedenheit erreichen , wenn bestimmte „Spielregeln“ allen Betroffenen bekannt und bewusst sind und im Verlauf des Projekts konsequent gelebt werden:

Festpreis bei agiler Vorgehensweise (oder aber auch bei geringfügig/nicht vollständig detaillierten Anforderungen) bedeutet immer auch Timeboxing: Anforderungen werden entlang einer gemeinsam zu definierenden Priorisierung umgesetzt. Der „Festpreis“ ergibt sich aus den Zeitfenstern die zur Realisierung zur Verfügung stehen (wichtig: dabei nicht die benötigte Zeit für eine vollständige Qualitätssicherung vergessen! Siehe). In diesen Zeitfenstern werden die Anforderungen gemäß der Priorisierung abgearbeitet – ist die zuvor vereinbarte Zeit aufgebraucht  (der Aufwand gemäß des Festpreises erbracht), werden ggf. dann noch offene Anforderungen nicht weiter umgesetzt.

Sicher lässt sich nun argumentieren, dass hierbei ja ggf. Anforderungen „auf der Strecke“ bleiben und diese Vorgehensweise eine eher „Auftragnehmer-“ anstatt „Auftraggeberfreundliche“ sei. In der Theorie betrachtet ist dies erst einmal richtig. Die Praxis zeigt jedoch, dass sich im Verlauf der gemeinsamen und detaillierten Auseinandersetzung mit den Anforderungen oftmals dahingehend Veränderungen ergeben, dass sich die ursprünglichen (und wenig detaillierten) Erwartungen verändern und reduzieren, wenn man sie fokussiert zu betrachten beginnt.

Ergo: Festpreis in agilen Projekten geht sehr wohl. Auf seriöse und nachhaltige Weise aber nur dann, wenn die dafür notwendigen Spielregeln im Vorfeld definiert und vertraglich fixiert sind.